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Ihr habt Geheimnisse? Gut so!

Ihr habt Geheimnisse? Gut so!

 

Lange Zeit hieß es, etwas vor anderen zu verbergen belastet die Seele schwer. Aber ich finde, ein paar kleine Heimlichkeiten braucht jeder von uns, oder? Geheimnisse geben uns die Freiheit herauszufinden, wer wir wirklich sind. Soll ich es sagen oder nicht? die Antwort darauf muss jeder für sich selbst finden. Oder was meint Ihr dazu?

Da denke ich an meine Kindheit zurück. Als Kind hielten wir so manches vor unseren Eltern geheim. Zum Beispiel den heimlichen Süßigkeitenvorrat unter dem Bett. An der Zimmertür zum eigenen Reich mit seinen Schätzen baumelten Schilder wie „Sperrgebiet“ oder „Zutritt verboten“, Mahnungen wie „Ihr geht dann um zehn ins Bett, bei Papa und mir kann´s spät werden, wir verlassen uns auf euch“ ernteten ein unschuldiges Nicken. Dass stattdessen bis in die Puppen die Flimmerkiste lief,  ging in die geheimen Chroniken der Kindheit ein. Kamen unsere Eltern doch dahinter, drohte die ein oder andere Sanktion … Fernsehverbot!

Jedem, der ein bisschen darüber nachdenkt wird eine frühe Erinnerung dieser Art einfallen. Wohl einer der Gründe, weshalb ein Geheimnis in unseren Köpfen fast automatisch mit einem Vergehen, mit Lügen und Hintergedanken verknüpft wird. Wo ein Geheimnis existiert, lauter Verrat, wo es etwas vor anderen verborgen wird. wittern wir Betrug, Da drückt den Geheimnissträger das schlechte Gewisse. „Jemand hütet ein dunkles Geheimnis“ heißt es. Und tut gut daran, es zu beichten.

 

Ihr habt Geheimnisse? Gut so!

Etwas für sich zu behalten ist zutiefst menschlich

Sind Geheimnisse dazu da, sie zu lüften? Oder besitzen sie auch gute Seiten, könnte es sogar wichtig sein, welche zu haben? Jeder hat sie . Jeder von uns hütet seine Geheimnisse, niemand präsentiert sich als offenes Buch, in dem andere nach Belieben blättern können, um ungehindert alles über ihn zu gefahren, ohne Zensur. Ich bin ja der Meinung: Jeder Mensch braucht seine Geheimnisse. Denn Geheimnisse erweisen sich als wichtigstes Werkzeug für unsere Seele, um ihre gesunde Balance zu halten, um zwischen innerer und äußere Welt zu vermitteln. Geheimnisses helfen auch abzugrenzen, eine Grenze zu ziehen zwischen mir und den anderen. Bis hierher und nicht weiter.

Dieses Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz, zwischen privat und öffentlich, macht uns als Individuen aus. Sie eigene uns einen sicheren Hafen, der uns die Freiheit erlaubt herauszufinden, wer wir sind. Und das beginnt schon sehr früh. Da denke ich  nur als unsere Kinder im Kleinkinderalter waren. Kinder können da schon eine gewisse Kontrolle ausüben, über unsere Umwelt. Ein Beispiel , indem sie NEIN sagen „Uns wird klar, dass wir Dinge über uns selbst wissen, die unsere Eltern nicht wissen“. Dazugehört es auch eben auch: nichts zu sagen, zu schweigen, mit etwas nicht nach außen zu gehen.

Ihr habt Geheimnisse? Gut so!

Wir brauchen Geheimnisse um Grenzen zu ziehen

Besonders Eltern von Teenager kennen das Gefühl, dass sein eigenes Kind zu fremden Wesen mutiert. Und glaubt mir ich weiß wovon ich Rede. Wir haben drei davon zu Hause! Zwei davon sind mittendrin. Bei der Kleine dauert es noch etwas, bis sie ins Teenageralter oder auch“Pubertierendealter“ genannt, kommt. Wenn die Tochter sich in ihrem Zimmer einschließt, stundenlang mit Freundinnen chattet und mit Information („Wann schreibt ihr die Französischarbeit?“ „Keine Ahnung irgendwann.“) nur spärlich herausrückt, dann mag das nerven.

Für uns Eltern ein mitunter schmerzlicher Prozess, aber für das Kind bedeutet es eine Etappe, in der es sich selbst findet. In diesem Alter wird nicht mehr blind alles geteilt, sondern abgewägt, selbst bestimmt gefiltert. Das „Herrschaftswissen über uns selbst“ dient bei ihnen als Schutz ihrer Privatsphäre.Wir entscheiden, was wir von uns preisgeben, und formen bewusst das Bild, das wir nach außen hin präsentieren wollen. Ich sag Euch, dass ist manchmal wirklich nicht einfach, aber waren wir früher nicht auch so.

Natürlich bedeuten Geheimnisse immer eine Gratwanderung. Wer sich mit einer Aura der Undurchschaubarkeit umgibt, macht es sich und seinem Umfeld schwer. Genauso gehören Betrug und schwere Lebenslügen nicht die Kategorie gesunder Geheimnisse. Allen, die ein Geheimnis lüfte möchten, sollte Zeitpunkt und Ort genau abwägen. Es hilft, sich selbst im Vorfeld folgende Frage zu beantworten: Tut es mir gut, es zu erzählen? Dem anderen? Hat er sogar ein Recht darauf, es zu erfahren?„Die Antwort muss jeder für ich selbst finden“. Oder wie seht Ihr das?

Ihr habt Geheimnisse? Gut so!

 

Ein bisschen gleicht doch unser Leben einem Tagebuch. Wir sind die Autoren der Geschichten darin, wir entscheiden, wem wir teile daraus vorlesen. Wie eine Schachtel in der sich viele kleine Gegenstände befinden, Fotos, Schmuckstücke, Zettelchen – kurz gesagt, um Dinge, Die nur die Personen etwas angehen, die diese Schachtel ausgesucht und gefüllt hat. Und die als einzige die Befugnis besitzt, sie zu öffnen.

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