Aus dem Leben, Kinder

Wir wollen alle gute Eltern sein doch Bloß wie?

Wir wollen alle gute Eltern sein doch Bloß wie?

Richtig gute Eltern… Wollen wir doch alle sein, und das finde ich manchmal ganz schön schwer. Ihr auch? Was Kinder ganz sicher nicht wollen: eine Tüte Gummibärchen zur freien Verfügung. Vor dem Fernseher einschlafen satt im eigenen Bett. Ausschließlich, die Lieblingsballerinas tragen, auch bei Dauerregen und fünf Grad Celsius. Jeden Tag Nudeln mit Ketchup, schon zum Frühstück.

 

Wenn manche Kinder schlauer wären, als mache Kinder es sind, wenn sie verstehen könnten, was hier steht, würden sie jetzt allerdings vor Lachen vom Kinderstuhl fallen: Hä, was erzählt diese Frau Lenz da bloß? Klar wollen wir Süßes bis zum Abwinken und die Weltherrschaft!

Kinder kommen auf so viele Ideen, die sie unbedingt durchsetzten möchten. Ideen, die für Bauchschmerzen, unausgeschlafene schlechte Laune, kalte Füße und Vitaminmangel sorgen. Ich kann euch sagen, bei drei Kindern kann ich  ein Lied davon singen. Kinder haben manchmal keinen blauen Schimmer davon, was ihnen schadet. Deshalb, auch deshalb brauchen sie uns. Eltern, die für sie mitdenken, die ihre Lebenserfahrung einbringen wider das kindliche Lustprinzip. Wobei„einbringen“ sich zu harmlos anhört die den Riesenkrawall, der dabei herauskommen kann. Da wären wir wieder bei den Gummibärchen. Wer lässt sich schon gerne die Gummibärchentüte abnehmen!? Ihr etwa?

 

Wir wollen alle gute Eltern sein doch Bloß wie?

Eltern müssen führen. Bloß wie? 

Mütter und Väter müssen sehr oft Spielverderber sein, ihren Kindern sagen, wo es langgeht. Dafür brauchen sie Mut und Kraft. Erstens, weil die Kinder echte Herzensbrecher sind ´m die es mühelos schaffen, auch uns entzückte, willenlose Idioten zu machen. Sorry für das Wort, aber es ist nun mal die Wahrheit.

Zweitens weil autoritäre Erziehung verpönt ist das Gegenteil von zeitgemäß. Zu Recht, wenn sie so verstanden wird, wie sie sehr lange verstanden wurde. Meiner Meinung nach einfach zu lange, oder wie sehr ihr das? Zimmerarrest, ohne Umarmung ins Bett, der angeblich harmlose „Klaps auf den Po“, Liebesentzug, alles überwundene Methoden … hoffentlich.

 

Wir wollen alle gute Eltern sein doch Bloß wie?

 

Erst neulich war ich am Busbahnhof …

… und da sah ich folgende Situation. Da fragte der Vater seinen Dreijährigen: „Willst du den Bus nehmen, oder sollen wir die zwei Stationen laufen? Der Kleine zuckte mit den Schultern, denkt nach „Bus“, sagte er. Der Bus fährt ein. Der Papa nimmt seinen Sohn an der Hand, will einsteigen. „Nein!“ schreit der Kleine. „Lieber laufen.“ Der Bus fährt ab, lautes Geheule: „Will fahren!“

Unentschiedenheit ist auch keine Lösung. Ziehen wir Eltern uns zurück und überlassen unseren Kindern Entscheidungen, die sie überfordern, stellen wir das Rollenverhältnis zwischen Groß und Klein auf den Kopf. Wenn schon der große, starke Papa keine Ahnung hat, ob Bus besser ist oder Spaziergang, wie soll nennen wie ihn man „Max, drei, das Wissen? Wir wollen Kinder ernst nehmen, das ist richtig. Wir denken, wir müssen ihnen deshalb alles erklären, sie jederzeit mitreden lassen. Das ist falsch.

Gerade kleinere Kinder können die Tragweite erwachsener Entscheidungen nicht verstehen. Und ehrlich gesagt große Kinder manchmal auch nicht. Außerdem sind sie daran auch überhaupt nicht interessiert. Es ist ihnen völlig egal, dass ein atlantischer Tiefausläufer am Nachmittag über Kleinostheim zieht und schwere Gewitter mitbringen wird. Es reicht ihnen zu hören: „Zieh die Regenjacke an!“

 

 

Wir Eltern sind verantwortlich …

Dafür, wie der Umgangston in der Familie ist. Dafür, was auf dem Tisch steht. Dafür, dass unsere Kinder wissen, warum Schubsen blöd ist (auch wenn sie es deshalb nicht lassen). Dafür, dass Kleine gemessen angezogen sind, sich an der frischen Luft bewegen. Geduld kennenlernen, Rücksicht und alles andere, was genau uns Eltern für unser Kind wichtig ist. Das ist besserwisserisch und manipulativ?

Klar doch. Aber wir Eltern geben es nie zu. Noch brauchen unsere Kinder Besserwisser. Es gibt ein Leben nach der Kindheit, dort können junge, selbstbewusste Erwachsene die Werte der Eltern für sich dann jederzeit korrigieren.

Angenehmer ist es, wenn es harmonisch läuft in der Familie, ganz klar. Immer kann es aber nicht klappen, dazu sind die Interessen der Generationen, gerade bei unseren Kids viel zu unterschiedlich. Wir als Eltern müssen Konflikte riskieren, wenn wir sie durchsetzen wollen, was uns wichtig ist. Wir können das ohne mulmiges Gefühl tun, unsere Kinder jedoch sind viel unempfindlicher, als wir glauben. Nicht gegen Ungerechtigkeit, Überforderung oder Lieblosigkeit. Aber gegenüber klaren Ansagen, die nehmen sie, trotz Gegenwehr, Gemotze und Gemaule… sportlich. Auch weil sie mitbekommen, dass sie ihnen nutzen. Die Zeit, in der sie verträumt sein dürfen, ist kurz. Mag sein, dass wir Kinder deshalb vor Härte verschonen wollen, wo immer es uns möglich ist.

 

Wir wollen alle gute Eltern sein doch Bloß wie?

 

Gegenmittel? An Patentrezepte glaube ich nicht mehr. Aber diese drei Sachen können wir Mütter und Väter uns vornehmen: Keine Angst vor Fehler haben, alle guten Eltern machen welche. Den Mut zeigen, sich bei Kindern unbeliebt zu machen. Auch bei den eigenen. Viel Vertrauen setzten in das allerwichtigste, was wir zu bieten haben… in die unzerstörbare Liebe zu unserem Kind.

Habt Ihr ein Gegenmittel? Wie seht ihr das mit der Entscheidung?