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Wenn meine Kinder sagen: „Mensch, Mama, chill mal …“ heisst das…

Wenn meine Kinder sagen: „Mensch, Mama, chill mal ...“ heisst das ...

Entspann dich! Chill mal, Mama! Das höre ich dauernd von meinen Kindern. Wieso eigentlich? Ich denke nach: Genau, da waren die Schuhe – viele Schuhe: Ballerinas, Chucks, Herrenschuhe, Turnschuhe … Sie lagen im Flur. Wie jeden Tag.

Ich hatte mich durch das Schuhchaos gekämpft und dabei Flüche ausgestoßen, die ungefähr so klangen: „Wie oft soll ich euch noch sagen …“ und „bei uns sieht ́s aus, das kann man keinem Menschen zumuten …“ Da rief unsere Große, die gerade „Klatschheft“ lesend auf ihrem Bett saß und ihre Hausaufgaben vor sich herschob, zurück: „Mensch, Mama, chill mal …“ Ich war zusammengezuckt: Hilfe!

Jetzt war er da! In der Wohnung! Hier bei uns zu Hause – der Entspannungsterror. Ich hatte ihn zwar schon bemerkt, aber das war draußen. Und ich konnte meistens einen Bogen um ihn machen.

 

Wenn meine Kinder sagen: „Mensch, Mama, chill mal ...“ heisst das ...

 

Zum Beispiel um diese Hallenbäder, die sich als Wellness-Tempel verkleiden. Dort zieht man nicht mehr mit seinen Kindern ein paar Bahnen, sondern muss „Spa-Maßnahmen“ bezahlen, was den Eintritt deutlich teurer macht. Denn nun befinden sich in diesen Schwimmbädern begrünte Areale, gerne auch mit Palmen, unter denen man eine Auszeit nehmen kann.

Oder die Tee-Regale im Supermarkt. Früher gab es dort Pfefferminz-, Hagebutten- und Kamillentee. Heute heißt das „Bleib in Balance“ oder „Komm zur Ruhe“. Man trinkt diese Tees zu Slow Food und natürlich zur Entspannung.

Und dann gibt es noch die Modeprospekte. Dort sieht man Menschen nach Feierabend und vor dem Yoga Kurs. Sie tragen das zartrosa Wellness-Top und die zartgraue Wellness-Hose und chillen im hauseigenen Lounge-Sessel auf der Terrasse oder tiefentspannt im Lotussitz auf der Yogamatte.

 

Wenn meine Kinder sagen: „Mensch, Mama, chill mal ...“ heisst das ...

Wenn meine Kinder sagen: „Mensch, Mama, chill mal ...“ heisst das ...

„Mensch, Mama, chill mal …“

Die Botschaft ist immer: Entspannt Leute, kommt runter, vom Alltag, vom Stress, von Facebook und Instagram „gefällt mir“- Verkündungszwang. Lasst euch fallen und gebt uns gelassen euer Geld- für die Wellness-Drinks, die Spa-Wochenenden, die Klamotten.

Ich laufe durch das Haus, gucke auf meine Hose. Die ist alt. Von schwarz keine Spur. Eher Grauschleier.

Ich denke nach … Was habe ich gegen Wellness und Tiefenentspannung? Ist es nur die Kommerzialisierung? Oder ist es mein Leben, das da nicht mitmacht? Kinder großzuziehen ist das Gegenteil von Tiefenentspannung, vor allem in der Pubertät. Sprösslinge großziehen ist aufregend, turbulent, laut und voller Unberechenbarkeit. Kinder kann man auch nicht einfach ausschalten, wie Handys oder iPhones, weil man jetzt wellnessen geht.

 

Wenn meine Kinder sagen: „Mensch, Mama, chill mal ...“ heisst das ...

Wenn meine Kinder sagen: „Mensch, Mama, chill mal ...“ heisst das ...

 

Ich muss raus, ich muss in die Stadt ich muss … chillen

Während ich im Auto sitze und in meiner Handtasche krame, rattert es in meinem Kopf. Meine Mädels sollen bloß nicht denken, dass ich sie nicht durchschaue: „Mama, chill mal“ in Bezug auf „Schuhe wegräumen, Mathe lernen, Brot kaufen, Badesachen-Aufhängen, damit meinen sie doch machen wir später oder nie … „Chill mal!“ aus Kindermündern heißt aber auch: „Mama, nerv nicht und sei einfach ruhig!“

Will ich aber nicht. Ich will nicht die Klappe halten, ich will nicht ruhig sein und beschließe, während ich die Einkaufstür zu Pepp & Cloppenburg betrete, ich gehe in den Widerstand. „Kill Chill!“

 

Wenn meine Kinder sagen: „Mensch, Mama, chill mal ...“ heisst das ...

 

Ich habe ein Recht mich über rumliegende Chucks, Mütter-Gezicke, ein ungerechtes Schulsystem aufzuregen. Ja, es gibt vieles, was mich nicht gleichgültig lässt, nicht still, nicht leise. Und manchmal haue ich dann auf den Tisch und pfeffere die Schuhe ins Kinderzimmer!

Ich gehe die Treppe hinunter… Ich nehme mir einen weißen Pulli OPUS von aus dem Regal, dann noch eine schwarze Hose von Only und zack, zack bin ich in der Umkleidekabine damit verschwunden. Leise summe ich ein Lied vor mich hin, während ich die beiden Kleidungsstücke anprobiere. Und bin total gechillt! Wisst Ihr was: Es fühlt sich gut an. Alles passt wie angegossen und es schaut auch noch gut aus an mir. Jetzt kann ich heimfahren und Abendessen machen und meine alte, verbleichte schwarze Hose entsorgen.

Kennt ihr das auch wenn, von euren Kindern?

Mein Outfit: 

  • Pulli: OPUS
  • Hose: Only
  • Stiefeletten: Rieker
  • Lederjacke: Vera Moda
  • Tasche: Tod´s